Bergwein vom Maso Michei

Kraftort

Wer im südlichen Trentino beim charmanten Städtchen Ala ins „Valle dei Ronchi“ fährt, erblickt schon von Weitem den Maso Michei: am Ende des langen, stark ansteigenden Tales mit imposanter Bergkulisse steht einzig der hoch aufgerichtete, helle Berghof. Dort angekommen, wird selbst der eilige Besucher unweigerlich von einer Kraft erfasst, die ihn zum Verweilen, ja zum Bleiben einlädt.

So erging es auch Martin Foradori Hofstätter, als er im Sommer 2017 durch Zufall auf den Maso Michei aufmerksam wurde. Das auf 823 Höhenmetern liegende Gut mit seinen 8,5 Hektar Rebfläche stand zum Verkauf. Der Winzer griff zu.

Extreme Lage

Die Lage des Maso – wie im Trentino der ländliche Hof genannt wird – besticht durch die Ursprünglichkeit der Natur und die Stille in der abgeschiedenen Bergwelt. Umringt von einsamen Gipfeln ziehen sich Rebzeilen über die steilen Hänge. Unten im Tal rauscht der Fluss Ala bis in die gleichnamige Stadt, um dann in die Etsch zu münden. In einer für den Weinbau bemerkenswerten Höhe wächst die Rebe langsam und reift die Traube spät. Daher ist der Maso Michei schon in den vergangenen Jahren mit frischen, fruchtigen und langlebigen Weißweinen wie auch elegantem Schaumwein aufgefallen. Die allesamt nach Süden ausgerichteten Lagen sind mit Müller Thurgau, Chardonnay, Sauvignon und Blauburgunder bestockt.

Foradori Hofstätter – Grenzgänger

Eine Lage im Trentino zu erwerben war für Martin Foradori Hofstätter ein eher naheliegender als abwegiger Schritt.

Denn väterlicherseits stammt seine Familie aus einem Weinort im Campo Rotaliano nördlich von Trient. Nach dem Ersten Weltkrieg erwarb sie zusätzliche Anbauflächen in Südtirol, das seit Kriegsende im Jahr 1918 zu Italien gehört: Höfe auf der Hochebene von Mazon und in Buchholz oberhalb von Salurn. Durch Heirat kamen diese Höfe zum Weingut Josef Hofstätter in Tramin, das seither als einziges Familienweingut in Südtirol über Lagen beidseits der Etsch verfügt. Mit dem Erwerb des Maso Michei kehrt Martin Foradori Hofstätter zu den Wurzeln seiner Vorfahren aus dem Trentino zurück. Jetzt sind es sieben Höfe, die das Weingut bewirtschaftet. Ein jeder Hof ist einzigartig und doch scheinen die verschiedenen Weinlagen mit ihren historischen Bauten wie selbstverständlich zusammenzugehören.

Der Maso Michei bereichert das breite Spektrum an Rebflächen im Traminer Weingut um eine ungewöhnliche Berglage. Der Winzer kann nun die Produktion von frischen, fruchtigen Weißen weiter ausbauen, auch im Bereich des Schaumweines, für den das Trentino bekannt ist. Gemäß seiner Devise: Für jede Rebsorte die beste Lage! Dieser Anspruch hat Martin Foradori Hofstätter beim Riesling sogar über die Alpen weit nach Norden geführt: an die Mosel, wo er am renommierten VDP Weingut „Dr. Fischer, Hofstätter Weis“ beteiligt ist. Mit dem Maso Michei positioniert er sich jetzt im Süden, in dem „Vallagarina“ genannten Ausläufer des Trentino, der ans Veneto grenzt.

Grenzland

Wohl Mitte des 13. Jahrhunderts wurden deutschsprachige Bajuwaren als Waldarbeiter ins noch unbesiedelte Valle dei Ronchi geholt; so benannt nach der „roncola“, dem Sichelmesser oder Handbeil, das sie zum Roden des Waldes nutzten. Im Durchzugsland an der Etsch gab es mehrere deutschstämmige Gemeinden, wie Ortsnamen bis heute bezeugen. In nachrömischer Zeit hatten sich Langobarden und auch Stämme aus Bayern dort niedergelassen. Deren Nachfahren aus dem Valle dei Ronchi verdingten sich im 17. und 18. Jahrhundert als Zimmerer in Ala. Die Herstellung von kostbarem Seidensamt, der international begehrt war, ließ die Stadt damals prosperieren. Napoleon Bonaparte, Kaiserin Maria Theresia und Wolfgang Amadeus Mozart – um nur einige der bekannten Gäste zu nennen – machten in Ala mit seinen schmucken Palästen Station. Von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des Ersten Weltkrieges lag in Ala der Grenzbahnhof zwischen dem Kaiserreich Österreich-Ungarn und dem Königreich Italien.

Der Name Michei lässt vermuten, dass deutschsprachige Bajuwaren den Hof hoch oben im Valle dei Ronchi einst erbaut und bewohnt haben.

Bergwein

 Von der erhabenen Position des Maso Michei bietet sich ein grandioser Blick durch das Valle dei Ronchi bis ins Etschtal und zum über 2000 Meter hohen Monte Baldo, hinter dem der Gardasee liegt. Weder Industrieanlagen noch gesichtslose Wohnbauten schieben sich ins Bild. Nur unberührte Natur so weit das Auge reicht.

Es ist die Kraft dieses Ortes, die Mensch und Wein stärkt. Sie verspricht große und reine Weine. Ein Potenzial, das Martin Foradori Hofstätter ausloten möchte. Für die naturnahe Pflege der Weinberge sorgt ein Mitarbeiter aus der Umgebung. Bei Schnitt und Lese unterstützt ihn das Team aus Tramin.

Geplant ist, die Rebfläche von derzeit 8,5 auf 10 Hektar zu erweitern. Kultiviert werden die schon bewährten Sorten: Müller Thurgau, Chardonnay, Sauvignon und Blauburgunder. 2021 soll ein Schaumwein mit der Klassifikation „Trento DOC“ auf den Markt kommen. Der Müller Thurgau und Sauvingon des Jahrgangs 2017 sind bereits im nächsten Jahr als „Michei“ zu haben.

Es erwartet Sie ein wahrhafter Bergwein: frisch, rein und stark zugleich!

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