Europäische Union, danke!

Südtirol und seine eigenartige Interpretation zur Zukunft der „Terroir“ Weine. Die „Lage“ ist undurchsichtig.

Zur Erklärung: es gibt ein EU Gesetz, das den „Verschnitt“ zweier Weine aus sogenannten „Unterzonen“ (dies sind kleinere, spezifischere und speziellere Gebiete der allgemeinen und größeren Südtiroler DOC) und „Lagen“ (kleine geographische Gebiete, sehr oft Dorffraktionen) erlaubt: 85% des Weines müssen aus einer „Unterzone“ oder „Lage“ stammen, die restlichen 15% können aus einer anderen „Unterzone“ oder „Lage“ stammen.

Sei es „Unterzonen“ als kleinere geografische Gebieten stellen im Vergleich zur allgemeinen „Südtiroler DOC“ etwas Besonderes, spezifischeres dar.

Dazu zwei Beispiele:

  1. Ein Weißburgunder der Südtiroler Unterzone „Terlan“ darf dem Gesetz zufolge 15% Trauben aus einer anderen Unterzone, z.B. „Eisacktal“, enthalten und trotzdem „Terlaner Weißburgunder“ im Etikett tragen.
  2. Ein Blauburgunder aus seiner Hochburg, der Lage „Mazon“, darf 15% Trauben aus einer anderen Lage Südtirols, z.B. aus dem Gebiet Vinschgau, enthalten und auch in diesem Falle „Mazon Blauburgunder“ im Etikett tragen.

Berechtigterweise stellt sich kritischen Köpfen nun die Frage nach den Gemeinsamkeiten dieser verschiedenen Unterzonen und Lagen, denn sie sind geographisch weit voneinander entfernt und unterscheiden sich geologisch und mikroklimatisch beträchtlich voneinander.

Nichtdestotrotz entschied die Vollversammlung des „Konsortium Südtirol Wein“ in seiner Mitgliederversammlung vom 21.05.2017 (die Produktionsmenge der jeweiligen Mitgliederbetriebe bestimmt die Anzahl der Stimmrechte in der Vollversammlung), dass in Südtirol in Zukunft 15% Verschnitt zwischen verschiedenen „Unterzonen“ bzw. „Lagen“ möglich sein wird.

Natürlich hätte die Vollversammlung die Möglichkeit gehabt, das betreffende EU Gesetz nicht anzuwenden…

Achtung: ein „Verschnitt“ ist nichts Verwerfliches, eigentlich eine ganz normale kellertechnische Praxis. Aber muss es gerade bei Weinen sein die von ihrem „Terroir“ leben?

Wenn es um die Besonderheiten einer „Lage“ geht, also dem jeweiligen Zusammenspiel aus Rebsorte, Geologie und Mikroklima welche sich in einem Wein dann wiederspiegelt, dann muss der Ursprung eines Weines in seiner Urform bleiben und nachvollziehbar sein.

Es stellt sich nun die Frage, ob ein Wein, der nicht zu 100% aus einer einzigen Lage stammt, sein „Terroir“ zum Besten geben kann? Ich bin der Meinung NEIN!

Wollen wir hoffen, dass Südtirol sehr schnell diese unüberlegte Entscheidung revidiert!

Martin Foradori Hofstätter

144347 1