Historische Weingärten

Guter Wein entsteht im Weinberg – erst recht exzellenter Wein. Ihm sind die besten Trauben vorbehalten, Trauben wie sie nur in besonders guten Lagen und Jahren gelesen werden können – in Handarbeit versteht sich. Dabei wird sorgfältig ausgewählt, wird jede einzelne Traube auf ihre Güte geprüft.

Bei Hofstätter wachsen solche Trauben in Rebgärten, die mit der Geschichte des in Tramin ansässigen Weingutes eng verbunden sind. Das Potenzial dieser Parzellen– auch Flurstücke genannt – erkannten bereits vor Jahrzehnten drei Winzer, die maßgeblich zum Erfolg des Gutes Josef Hofstätter beigetragen haben. – Ihnen, den Wegbereitern, sind drei Lagenweine gewidmet, wie ihre handschriftlichen Namenszüge auf den Etiketten testieren. Roccolo,  Pirchschrait und Rechtenthaler Schloßleiten verkörpern die Stilistik der gleichnamigen Weingärten. Im Geschmack geben sie den unverwechselbaren Charakter der jeweiligen Parzelle zu erkennen.

Vigna Roccolo – Blauburgunder

Im Weingarten Roccolo beim Ansitz Barthenau auf der Hochebene von Mazon reifen besonders gehaltvolle Blauburgundertrauben. Es sind  die Früchte alter Reben, die seit über 70 Jahren auf der traditionellen Pergola ranken. Ihr kostbares Traubengut wird separat gelesen, gesondert gekeltert und im kleinen Eichenholzfass ausgebaut. Heraus kommt ein dichter, ungewöhnlich vielschichtiger und eleganter Burgunder. Er überzeugt mit seiner geschmeidigen filigranen Säurestruktur – dem Rückgrat eines jeden Burgunders. Dieser Wein der Extraklasse führt die Blauburgunder des Gutes an, die alle in den hervorragenden Lagen oberhalb von Neumarkt wurzeln.

Glücksfall. Es war ein Glücksfall, als Ende der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts der Großvater väterlicherseits von Martin Foradori Hofstätter in Mazon drei Höfe samt Land, darunter auch Barthenau, erwerben konnte. Die Bauern in der kleinen Streusiedlung pflanzten damals Obstbäume, Mais, ja sogar Tabak an, Rebstöcke jedoch nur in kleiner Zahl. Einige davon standen bei einem Vogelfangplatz, einem Roccolo. Solche traditionellen Vogelfangplätze gab es und gibt es noch vereinzelt an ruhigen Orten in gebirgigen Regionen. Ein derart unberührter Ort ist das Hochplateau von Mazon oberhalb der Etsch bis heute. Der historische Flurname Roccolo dokumentiert nun die Herkunft dieses Hofstätter-Blauburgunders.

Ludwig Barth von Barthenau. Ende des 19. Jahrhunderts hatte sich Ludwig Barth – ein Universitäts-professor mit Liebe zum Wein – in Mazon das gleichnamige Anwesen erbaut und dort die Blauburgunder-rebe erstmals angepflanzt – mit Erfolg, wie sich zeigen sollte. Denn die Weingärten auf der östlichen Seite der Etsch oberhalb von Neumarkt bieten dieser Rebsorte, die als Pinot noir aus Frankreich eingewandert und längst heimisch geworden ist, ein geradezu ideales Terroir. Mazon ist heute nicht nur ihr prominentes Anbaugebiet in Südtirol, sondern die gefeierte Lage für den Blauburgunder in ganz Italien.

Vigna Pirchschrait – Gewürztraminer

Auf der gegenüberliegenden, der westlichen Seite der Etsch ist eine weiße Rebsorte in ihrem Element: der Gewürztraminer. Oberhalb von Tramin am Kolbenhof bei Söll gedeiht die traditionsreiche Traube, die empfindlich auf Temperaturen reagiert, besonders gut. Dort genießt sie in der Morgensonne angenehme Wärme und bei frischen Fallwinden ausreichend Abendkühle.

Charmante Aromen. Mit welchen Geschmackserlebnissen lang gereifte Gewürztraminer berauschen können, offenbaren alte Jahrgänge aus dem Familienkeller. Was schon das Lagern in der Flasche bewirkt, ist nach aller Erfahrung im großen Fass, in dem sich der Wein entfalten kann, noch zu überbieten. Der Gewürztraminer Pirchschrait reift zehn Jahre in 500-Liter-Fässern auf der Feinhefe. In dieser Zeit entwickelt er eine dichte Textur, ohne an Frische einzubüßen. Zudem verleiht ihm die Feinhefe ein charmantes Aroma von geröstetem Brot, Mispeln, Blütenhonig und getrockneten Früchten. Dagegen tritt die Fruchtsüße in den Jahren des Reifens dezent zurück, während die Mineralität an Ausdruck gewinnt.

Konrad Oberhofer. Der Gewürztraminer aus dem Weingarten Pirchschrait beim Kolbenhof versteht sich als Hommage an Konrad Oberhofer, der als Erster in den 1930er Jahren die Trauben einzelner Weingärten separat vinifizierte. Er, der Großvater mütterlicherseits von Martin Foradori Hofstätter, war ein Pionier des Lagendenkens – sein Ziel war es, den besonderen Charakter einer jeden Lage im Wein erfahrbar zu machen.

Vigna Rechtenthaler Schloßleiten – Gewürztraminer Spätlese

Angrenzend an den Kolbenhof liegt eine stärker nach Süden ausgerichtete Parzelle, die das Grundbuch als Rechtenthaler Schloßleiten ausweist. Das Mikroklima in dem extrem steilen Weinberg, Südtirolerisch: „Leiten“, hat einen Clou: die Temperaturverhältnisse stehen Kopf. Wenn morgens die Sonne aufgeht, erwärmt sie langsam den Weinberg von oben, während unten die Kühle der Nacht vorhält. Sie fällt vom Traminer Hausberg Roen in eine tiefe Schlucht, durch die der Höllentalbach rauscht, hinab ins Tal.

Opulent. Erst Ende November werden in der Leiten die überreifen, besonders schmackhaften Trauben von Hand gelesen. Ihre Beeren sind dann zu Rosinen eingetrocknet, färben den Wein goldgelb und verdichten den typischen Geschmack nach exotischen Früchten. Das opulente Bukett dieser Gewürztraminer Spätlese betört ebenso wie ihr ver-führerischer Duft.

Josef Hofstätter. Als Josef Hofstätter vor 80 Jahren den Kolbenhof von den Freiherren von Unterrichter erwarb, gehörte dazu auch die oberhalb des Schlosses gelegene Steillage Rechtenthal. Im Laufe der Jahrzehnte wurde sie in der Verwandtschaft mehrfach vererbt, bis der heutige Winzer Martin Foradori Hofstätter im Jahr 2007 die über drei Hektar große Parzelle zurückkaufen konnte. Die Spätlese erinnert an den einstigen Erwerb des Kolbenhofes durch Josef Hofstätter.

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Historische Aufnahme des Ansitz Barthenau
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Ludwig Barth von Barthenau
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Konrad Oberhofer
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Josef Hofstätter